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Photovoltaikanlage verkaufen: Steuerliche Folgen im Jahr 2026

  • Autorenbild: Jan Niklas Steg
    Jan Niklas Steg
  • 10. März
  • 12 Min. Lesezeit

 So lässt sich der Verkauf einer Solaranlage steuerlich optimal gestalten und vermeidet Fallstricke beim IAB.


Ein Mann im Anzug liest Unterlagen vor einer Photovoltaik-Anlage

Der Verkauf einer Photovoltaikanlage erfordert eine präzise steuerliche Planung. Seit den umfassenden Gesetzesänderungen der letzten Jahre hat sich die steuerliche Behandlung von Solarinvestments grundlegend gewandelt. Besonders für Investoren, die den Investitionsabzugsbetrag (IAB) nach § 7g EStG genutzt haben, lauern beim Verkauf Fallstricke, die die ursprüngliche Steuerersparnis gefährden können. Dieser Ratgeber analysiert die Rechtslage in 2026 und zeigt, wie Sie Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer beim Verkauf im Griff behalten.


Beim Verkauf einer Photovoltaikanlage fallen Einkommensteuer auf den Veräußerungsgewinn sowie potenziell Gewerbesteuer an. Während kleine Anlagen bis 30 kWp oft steuerfrei sind, müssen IAB-Investoren bei größeren Projekten Haltefristen beachten, um eine rückwirkende Verzinsung des Investitionsabzugsbetrags zu vermeiden. Umsatzsteuerlich kann der Verkauf oft als steuerfreie Geschäftsveräußerung im Ganzen gestaltet werden.



Inhaltsverzeichnis


Das Wichtigste zuerst:


  • Haltefristen für den IAB unbedingt einhalten (Ende des Folgejahres der Anschaffung), um Rückzahlungen zu vermeiden.

  • Der Verkauf als 'Geschäftsveräußerung im Ganzen' spart die Umsatzsteuer und vereinfacht die Abwicklung erheblich.

  • Gewerbesteuer-Freibetrag von 24.500 € für Einzelunternehmer nutzen und Anrechnung auf die Einkommensteuer prüfen.

  • Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 72 EStG prüfen: Anlagen bis 30 kWp bzw. 100 kWp können beim Verkauf einkommensteuerfrei sein, größere Projekte sind regelmäßig voll steuerpflichtig.

  • Niedriger Buchwert erhöht den Veräußerungsgewinn: Durch IAB und 40 % Sonderabschreibung entsteht beim Verkauf oft ein hoher steuerpflichtiger Gewinn trotz wirtschaftlich moderatem Exit.



Einkommensteuer beim PV-Verkauf: Die Rolle von § 3 Nr. 72 EStG


Entscheidend beim Verkauf ist die steuerliche Erfassung des Veräußerungsgewinns. Im Jahr 2026 greift für viele kleinere Anlagen die Steuerbefreiung nach § 3 Nr. 72 EStG. Diese Regelung befreit Einnahmen und Entnahmen aus dem Betrieb von PV-Anlagen bis zu einer Leistung von 30 kWp auf Einfamilienhäusern oder 100 kWp auf Mehrfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien von der Einkommensteuer. Wenn Ihre Anlage unter diese Grenzwerte fällt, ist in der Regel auch der Gewinn aus dem Verkauf steuerfrei.


Für Investoren, die über uns typischerweise in größere Freiflächenanlagen oder Agri-PV mit Trackern investieren, liegen die Leistungen jedoch meist deutlich über diesen Grenzen. In diesem Fall ist der Verkauf ein steuerpflichtiger Vorgang. Der Veräußerungsgewinn ermittelt sich aus dem Verkaufspreis abzüglich der Veräußerungskosten und dem aktuellen Buchwert der Anlage. Da Sie durch Sonderabschreibungen und den IAB den Buchwert oft schnell reduziert haben, kann der steuerliche Gewinn beim Verkauf erheblich sein. Dieser Gewinn wird mit Ihrem persönlichen Steuersatz besteuert.


Wenn man eine gewerbliche Anlage verkauft, die nicht unter die steuerliche Befreiung fällt, kann mane unter Umständen die Begünstigungen der §§ 16, 34 EStG für eine Betriebsveräußerung nutzen, sofern der gesamte Betrieb (die Photovoltaikanlage) veräußert wird.



Der Investitionsabzugsbetrag (IAB) und die kritische Haltefrist


Für viele Investoren in erneuerbare Energien  ist der Investitionsabzugsbetrag ein das wichtigste Instrument zur Finanzierung des Investments . Wenn man beim Kauf einer Anlage einen IAB von bis zu 200.000 € pro Investment (GbR) genutzt hat, muss man e beim Verkauf die gesetzlichen Verbleibensfristen genau im Blick behalten. Laut § 7g Abs. 4 EStG muss das begünstigte Wirtschaftsgut – in diesem Fall die Photovoltaikanlage – mindestens bis zum Ende des dem Wirtschaftsjahr der Anschaffung folgenden Jahres in Ihrem Betrieb verbleiben.


Wird  die Anlage vor Ablauf dieser Frist verkauft, wird der IAB rückwirkend rückgängig gemacht. Das bedeutet, dass der Steuerbescheid des Jahres, in dem der IAB gebildet wurde, geändert wird. Die daraus resultierende Steuernachzahlung wird zudem mit 0,15 % pro Monat (1,8 % pro Jahr) verzinst. Wer im Jahr 1 einen IAB bildet und im Jahr 2 die Anlage anschafft, darf diese frühestens am 1. Januar des Jahres 4 verkaufen, um den IAB zu sichern.


Die Haltefrist sollte man daher exakt berechnen. Ein zu früher Verkauf kann die gesamte steuerliche Kalkulation eines  Investments zerstören. Da es sich ohnehin um ein langfristiges Investment handelt, stellt das in der Regel kein Problem dar. Sollte  dennoch ein vorzeitiger Exit geplant sein, müssen die Zinskosten und die Nachversteuerung zwingend in den Verkaufspreis eingepreist werden, um keinen wirtschaftlichen Verlust zu erleiden.



Gewerbesteuerliche Aspekte beim Exit


Wer seinen PV-Anlagen-Betrieb im Rahmen einer Geschäftsaufgabe veräußert und dabei das 55. Lebensjahr vollendet hat, kann von einem erheblichen steuerlichen Vorteil profitieren: dem Freibetrag nach § 16 Abs. 4 EStG in Höhe von 45.000 €. Dieser wird einmalig im Leben gewährt und mindert den steuerpflichtigen Veräußerungs- oder Aufgabegewinn direkt.


Zusätzlich besteht die Möglichkeit, den verbleibenden Gewinn auf Antrag mit dem ermäßigten Steuersatz nach § 34 EStG zu versteuern – der sogenannte „halbe Durchschnittssteuersatz". Das kann die Steuerlast beim Exit spürbar reduzieren, insbesondere wenn über die Jahre stille Reserven aufgebaut wurden.


Da es sich bei den hier betrachteten Investments ohnehin um langfristig angelegte Projekte handelt, ist das Erreichen der Altersgrenze in vielen Fällen realistisch einzuplanen – und macht eine frühzeitige steuerliche Strukturierung umso sinnvoller.



Exit durch Übertragung auf eine UG oder GmbH


Eine weitere, indirekte Form des Exits ist die Übertragung der Anlage auf eine UG oder GmbH. Dabei verlässt die Anlage zwar das Vermögen des Einzelunternehmens oder der GbR, bleibt aber mittelbar im Einflussbereich des Eigentümers – da man als Gesellschafter der UG/GmbH weiterhin die Kontrolle behält. Der eigentliche Exit findet dann nicht auf Anlagenebene statt, sondern zu einem späteren Zeitpunkt über den Verkauf der Gesellschaftsanteile, was zusätzliche Gestaltungsspielräume eröffnet.


Ein wesentlicher Effekt dieser Struktur zeigt sich bereits vor dem Exit: Solange die Erträge in der Gesellschaft verbleiben, werden sie lediglich mit Körperschaft- und Gewerbesteuer belastet – zusammen in der Regel rund 28 bis 32 %, abhängig vom gemeindlichen Hebesatz. Wer privat einen Grenzsteuersatz von 42 % oder mehr hat, spart durch diese Verlagerung also laufend einen erheblichen Teil der Steuerlast. Dieser Unterschied summiert sich über die Jahre und macht die Kapitalgesellschaft besonders attraktiv für Investoren, die ihre Erträge ohnehin nicht sofort entnehmen müssen.


Der Vorteil beim späteren Exit liegt dann im Teileinkünfteverfahren: Nur 60 % des Veräußerungsgewinns auf die Anteile sind steuerpflichtig. Bei größeren Projekten kann das im Vergleich zum direkten Anlagenverkauf einen spürbaren Unterschied machen. Diese Variante eignet sich daher vor allem für Investoren, die ohnehin einen längeren Anlagehorizont verfolgen und ihre Beteiligungsstruktur vorausschauend aufbauen möchten.


Schenkung der Anlage an Kinder oder Familienangehörige


Eine oft unterschätzte Exit-Option ist die Schenkung der Photovoltaikanlage an Kinder oder andere Familienangehörige. Nach § 7 Abs. 1 ErbStG gilt jede freigebige Zuwendung als schenkungsteuerpflichtig - allerdings stehen jedem Kind alle zehn Jahre ein Freibetrag von 400.000 € nach § 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG zu. Bei einer Anlage mit einem Verkehrswert unterhalb dieser Grenze kann die Übertragung somit vollständig schenkungsteuerfrei erfolgen.


Ertragsteuerlich tritt der Beschenkte nach § 7 Abs. 1 EStDV in die Buchwerte des Schenkers ein - die stillen Reserven, die sich über Jahre aufgebaut haben, werden also nicht sofort aufgedeckt und versteuert. Der Schenker realisiert keinen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn. Die Steuerlast wird lediglich in die Zukunft verschoben: Verkauft das Kind die Anlage später, muss es den Unterschied zwischen dem übernommenen Buchwert und dem dann erzielten Verkaufspreis versteuern - idealerweise jedoch zu einem Zeitpunkt, an dem der persönliche Steuersatz des Kindes niedriger ist.


Besonders interessant wird die Schenkung in Kombination mit einem Nießbrauchvorbehalt nach § 1030 BGB: Die Anlage wird übertragen, die laufenden Erträge verbleiben jedoch beim Schenker. So lässt sich Vermögen frühzeitig übergeben, ohne auf die laufenden Einnahmen verzichten zu müssen. Der kapitalisierte Nießbrauch mindert dabei den schenkungsteuerlich relevanten Wert der Zuwendung zusätzlich.



Optimaler Verkaufszeitpunkt und Steuerstrategie


Einen steuerlich optimierten Exit plant man nicht in den Wochen vor dem Verkauf, sondern idealerweise Jahre davor. Der erste und wichtigste Schritt ist dabei immer derselbe: ein Gespräch mit dem Steuerberater, bevor irgendeine Entscheidung getroffen wird. Denn welche Strategie sinnvoll ist, hängt von so vielen individuellen Faktoren ab, dass pauschale Empfehlungen hier mehr schaden als nützen. Entscheidend ist dabei ein oft unterschätzter Grundsatz: Steuerliche Optimierung funktioniert nur im Voraus. Wer erst nach dem Verkauf zum Steuerberater geht, kann allenfalls noch Schadensbegrenzung betreiben. Die wirklich wirksamen Stellschrauben lassen sich ausnahmslos nur vor der Transaktion drehen.


Warum will man eigentlich verkaufen?

Die Frage klingt simpel, hat aber erhebliche steuerliche Konsequenzen. Denn je nach Verkaufsmotiv gibt es völlig unterschiedliche Gestaltungsoptionen:

Wer das Kapital kurzfristig braucht, hat wenig Spielraum. Hier steht die Liquidität im Vordergrund, und die Steuerlast muss so gut es geht im laufenden Jahr abgefedert werden. Wer hingegen in eine andere Assetklasse umschichten will, kann den Erlös gezielt in einen neuen IAB lenken und so einen erheblichen Teil des Veräußerungsgewinns steuerlich neutralisieren. Wer schlicht aus der Assetklasse raus möchte, hat oft mehr Flexibilität beim Timing und damit beim Progressionsmanagement. Und wer Vermögen an die nächste Generation übertragen will, sollte den Verkauf gar nicht erst in Betracht ziehen, bevor nicht geprüft wurde, ob eine Schenkung oder vorweggenommene Erbfolge, ggf. mit Nießbrauchvorbehalt, die steuerlich überlegene Alternative ist.


Wie alt ist die Anlage?

Das Alter der Anlage ist ein entscheidender Faktor, der oft unterschätzt wird. Wer einen IAB gebildet und die Sonderabschreibung nach § 7g EStG genutzt hat, sollte die damit verbundenen Haltefristen kennen: Wird die Anlage zu früh veräußert, droht die rückwirkende Auflösung des IAB inklusive Nachversteuerung und Zinsen nach § 233a AO. In solchen Fällen ist es schlicht besser, den Verkauf um ein oder zwei Jahre zu verschieben. Der steuerliche Schaden einer verfrühten Veräußerung überwiegt in der Regel jeden kurzfristigen Marktvorteil.


Progressionsmanagement im Verkaufsjahr

Auch wenn der Grundsatz klar ist – ein hoher Veräußerungsgewinn trifft auf den persönlichen Grenzsteuersatz – gibt es im Verkaufsjahr selbst noch relevante Stellschrauben. Wer in diesem Jahr ohnehin ein hohes Einkommen hat, sollte prüfen, ob der Verkauf in das Folgejahr verschoben werden kann. Lassen sich außerordentliche Betriebsausgaben vorziehen? Gibt es Verlustvorträge aus anderen Einkunftsquellen? Ist die Bildung eines neuen IAB für eine Folgeinvestition möglich? All das kann den Unterschied zwischen einer erträglichen und einer schmerzhaften Steuerlast ausmachen – und ist mit etwas Vorlauf meist gut planbar.



Berechnungsbeispiel: Verkauf eines 400.000 € Investments


Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Auswirkungen: Angenommen, Sie haben vor fünf Jahren in eine Photovoltaikanlage investiert. Die Anschaffungskosten beliefen sich auf 400.000 €. Sie haben das gesetzliche Maximum des IAB von 200.000 € voll ausgeschöpft und im Jahr der Anschaffung zudem eine Sonderabschreibung von 40 % auf den Restwert vorgenommen.


• Anschaffungskosten: 400.000 €

• Abzüglich IAB: - 200.000 € 

• Basis für Sonder-AfA: 200.000 €

• Sonderabschreibung (40 %): - 80.000 €

• Verbleibender Buchwert nach Jahr 1: 120.000 €


Nach fünf Jahren linearer Abschreibung auf den Restwert beträgt der Buchwert zum Verkaufszeitpunkt noch ca. 80.000 €. Wenn Sie die Anlage nun für 250.000 € verkaufen, ergibt sich folgende Situation:


• Verkaufspreis: 250.000 €

• Buchwert: 80.000 €

• Steuerpflichtiger Gewinn: 170.000 €


Bei einem Spitzensteuersatz von 44,31 % (inkl. Soli) müssten Sie auf diesen Gewinn ca. 75.327 € Steuern zahlen. Ihr Netto-Erlös aus dem Verkauf läge somit bei 174.673 €.


Variante 1: Betriebsveräußerung mit Teileinkünfteverfahren

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Auswirkungen bei Nutzung des Teileinkünfteverfahrens: Angenommen, die Ausgangsdaten bleiben identisch und der Verkauf erfolgt im Rahmen einer begünstigten Betriebsveräußerung, sodass nur 60 % des Veräußerungsgewinns steuerpflichtig sind.


  • Verkaufspreis: 250.000 €

  • Buchwert: 80.000 €

  • Veräußerungsgewinn: 170.000 €


Beim Teileinkünfteverfahren sind lediglich 60 % dieses Gewinns steuerpflichtig:


  • 60 % von 170.000 € = 102.000 € steuerpflichtiger Betrag


Bei einem Spitzensteuersatz von 44,31 % (inkl. Soli) müssten Sie auf diese 102.000 € ca. 45.196 € Steuern zahlen. Ihr Netto-Erlös aus dem Verkauf läge somit bei 204.804 €.


Im Vergleich zum einfachen Direktverkauf reduziert sich die Steuerlast damit um rund 30.131 €.


Variante 2: Exit über eine GmbH oder UG mit späterem Anteilverkauf

Ein weiteres Beispiel verdeutlicht die Wirkung einer vorgelagerten Strukturierung über eine Kapitalgesellschaft: Angenommen, die Anlage wurde vor dem Exit auf eine GmbH übertragen und der eigentliche Verkauf erfolgt später über die Veräußerung der Gesellschaftsanteile. Auch hier greift beim Anteilseigner das Teileinkünfteverfahren.

Die wirtschaftlichen Eckdaten bleiben identisch:

  • Verkaufspreis: 250.000 €

  • Buchwert: 80.000 €

  • Veräußerungsgewinn: 170.000 €


Auch hier sind nur 60 % des Gewinns steuerpflichtig:


  • 60 % von 170.000 € = 102.000 € steuerpflichtiger Betrag


Bei einem Spitzensteuersatz von 44,31 % (inkl. Soli) ergibt sich ebenfalls eine Steuerbelastung von ca. 45.196 €. Ihr Netto-Erlös aus dem Verkauf läge somit bei 204.804 €.


Der zusätzliche Vorteil dieser Struktur entsteht jedoch bereits in den Jahren vor dem Exit: Solange Gewinne in der GmbH thesauriert werden, unterliegen sie typischerweise nur einer Belastung von rund 28 bis 32 %. Gegenüber einem privaten Grenzsteuersatz von 44,31 % ergibt sich dadurch ein erheblicher Liquiditätsvorteil über die Haltedauer, der beim späteren Verkauf noch hinzukommt.

Strategische Empfehlungen für den PV-Verkauf 2026


Wer seine Photovoltaikanlage verkaufen will, sollte sich nicht nur Gedanken über den Preis machen, sondern auch darüber, wie professionell und reibungslos der Prozess abläuft. Denn ein gut vorbereiteter Verkauf erzielt nicht nur schneller einen Abschluss, sondern in der Regel auch einen besseren Preis.


Vertrag und Übertragbarkeit

Bevor man überhaupt in Verkaufsgespräche geht, lohnt ein Blick in die bestehenden Verträge: Pachtvertrag für die Dachfläche oder das Grundstück, Netzanschlussvertrag, Wartungsverträge, Versicherungen. Die entscheidende Frage ist, ob Rechte und Pflichten aus diesen Verträgen problemlos auf einen Käufer übertragen werden können oder ob Zustimmungen Dritter erforderlich sind, die den Prozess verzögern. Wer das frühzeitig klärt, vermeidet unangenehme Überraschungen kurz vor dem Notartermin.


Unterlagen und Datenraum

Ein strukturierter Datenraum ist bei einem professionellen Käufer Standard und kein Nice-to-have. Dazu gehören: Wartungs- und Serviceprotokolle, Einspeiseabrechnungen der letzten Jahre, Wechselrichter-Logdaten, Gutachten, behördliche Genehmigungen und der aktuelle Anlagenzustand. Wer diese Unterlagen vollständig und geordnet bereitstellt, signalisiert Seriosität und verkürzt die Due-Diligence-Phase erheblich.


Die eigenen USPs kennen und kommunizieren

Nicht jede Anlage ist gleich und das sollte man aktiv hervorheben. Beispielsweise eine Anlage mit einem alten EEG-Vertrag, der noch keine negativen Auswirkungen durch Negativstrompreisen kennt, ist für viele Käufer deutlich attraktiver als eine neuere Anlage mit entsprechenden Risiken. Auch Faktoren wie eine Ost-West-Ausrichtung, ein überdurchschnittlicher spezifischer Ertag, ein zuverlässiger Netzbetreiber oder ein langfristiger Pachtvertrag mit günstigen Konditionen sind echte Verkaufsargumente, die in der Vermarktung nicht fehlen sollten.


Wo und wie man verkauft

Für den Verkauf gibt es grundsätzlich mehrere Wege: Online-Marktplätze für gebrauchte PV-Anlagen erreichen eine breite Masse, sind aber oft wenig selektiv. Wer einen strukturierten Prozess mit qualifizierten Käufern bevorzugt, geht besser über spezialisierte Vermittler, wie beispielsweise Sunpeak Capital, die sowohl den Markt als auch die steuerlichen und rechtlichen Besonderheiten kennen und den Verkaufsprozess entsprechend begleiten können.


Den richtigen Käufer im Blick haben

Nicht jeder potenzielle Käufer passt gleich gut zur eigenen Anlage. Besonders interessant sind Investoren, die aktiv nach Möglichkeiten suchen, ihren Investitionsabzugsbetrag zu nutzen, denn eine bereits fertiggestellte und in Betrieb genommene Anlage hat kein Baurisiko mehr, was sie für IAB-Investoren besonders attraktiv macht. Für diese Zielgruppe gibt es inzwischen auch spezialisierte Netzwerke und Gruppen, über die sich gezielt Käufer ansprechen lassen. Wer seinen Käufer kennt, kann nicht nur den Prozess beschleunigen, sondern auch die Verhandlungsposition deutlich verbessern.



Fazit: Steuerlich optimierter Exit 2026 als entscheidender Renditehebel für PV-Investoren mit IAB-Strategie


Der Verkauf einer Photovoltaikanlage im Jahr 2026 bietet für IAB-Investoren sowohl Chancen als auch Risiken, die eine frühzeitige Planung erfordern. Wer den Investitionsabzugsbetrag genutzt hat, muss zwingend die gesetzlichen Verbleibensfristen bis zum Ende des dem Anschaffungsjahr folgenden Wirtschaftsjahres beachten, um eine kostspielige Rückabwicklung der Steuerersparnis zu vermeiden. Bei gewerblichen PV-Anlagen, insbesondere bei Teilanlagen größerer Solarparks, ist ein steuerfreier Exit die Ausnahme, nicht die Regel. Die erzielten Erlöse liegen in solchen Fällen typischerweise weit oberhalb der gesetzlichen Freigrenzen, sodass der Veräußerungsgewinn in vollem Umfang steuerpflichtig ist. Dennoch bleibt das Investment durch die anfänglichen Steuervorteile und die Abschreibungen sowie steueroptimierte Exit-Möglichkeiten hochrentabel. Achten Sie zudem auf die gewerbesteuerlichen Freibeträge. Da wir als Vermittler keine Steuerberatung leisten dürfen, empfehlen wir dringend die Einbindung spezialisierter Experten. Wir vermitteln Ihnen gerne den Kontakt zu erfahrenen Partnern, die Ihre Exit-Strategie professionell begleiten und den Verkaufserlös steuerlich für Sie optimieren.



FAQ


Gilt die Steuerfreiheit nach § 3 Nr. 72 EStG auch für den Verkaufsgewinn?

Ja, die Steuerbefreiung umfasst laut aktuellem Stand der Finanzverwaltung im Jahr 2026 auch die Gewinne aus der Veräußerung der begünstigten Anlagen. Das bedeutet, wenn Ihre Anlage die Leistungsgrenzen von 30 kWp bzw. 100 kWp nicht überschreitet, bleibt der gesamte Erlös aus dem Verkauf für Sie einkommensteuerfrei. Dies gilt jedoch nur für die Einkommensteuer, nicht zwingend für die Umsatzsteuer. Der Haken: Sobald die Anlage die Leistungsgrenze überschreitet – was bei gewerblichen IAB-Projekten fast immer der Fall ist, greift die Befreiung nicht mehr. Dann ist der volle Veräußerungsgewinn steuerpflichtig, und alle hier besprochenen Gestaltungsoptionen werden relevant.

Kann ich den IAB für eine neue Anlage nutzen, wenn ich die alte verkaufe?

Ja, das ist möglich, denn der IAB ist projektbezogen. Wenn Sie eine bestehende Anlage verkaufen (nach Ablauf der Haltefristen), können Sie für ein neues Projekt erneut einen Investitionsabzugsbetrag von bis zu 200.000 € bilden. 

 Wie wirkt sich die Sonderabschreibung auf den Verkauf aus?

Die Sonderabschreibung von 40 % reduziert den Buchwert Ihrer Anlage im ersten Jahr massiv. Ein niedrigerer Buchwert führt beim Verkauf zu einem höheren steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn. Sie haben also in der Vergangenheit Steuern gespart, müssen aber beim Verkauf einen Teil dieser Ersparnis durch die Besteuerung des Gewinns wieder 'ausgleichen'. Der Zins- und Liquiditätseffekt sichert Ihnen dennoch einen deutlichen Vorteil.

Muss der Käufer die Einspeisevergütung neu beantragen?

Nein, die Einspeisevergütung nach dem EEG ist an die Anlage gebunden, nicht an den Betreiber. Bei einem Verkauf geht der Anspruch auf die Vergütung für die restliche Laufzeit auf den Käufer über. Der Netzbetreiber muss lediglich über den Betreiberwechsel informiert werden. Dies ist ein wesentlicher Faktor für die Werthaltigkeit der Anlage beim Verkauf.

Welche Steuersätze gelten 2026 für den Veräußerungsgewinn?

Der Veräußerungsgewinn wird Ihrem übrigen zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Im Jahr 2026 liegt der Spitzensteuersatz bei 42 %. Zusammen mit dem Solidaritätszuschlag ergibt sich eine Belastung von 44,31 %. Liegt Ihr Gesamteinkommen über der Grenze für die sogenannte Reichensteuer, kann der Satz auf 45 % (zzgl. Soli und Kirchensteuer) steigen.



Über den Autor


Portrait des Autors Jan Niklas Steg

Jan Niklas Steg ist Geschäftsführer von Sunpeak Capital in Berlin. Das Unternehmen strukturiert IAB-Investments für Privatpersonen im Bereich Photovoltaik und Batteriespeicher und begleitet deren Umsetzung ganzheitlich. Seine Expertise in den Erneuerbaren Energien baute er während seines MBA-Studiums an der WHU auf, unter anderem bei einem US-amerikanischen Investmentfonds für Renewable-Energy-Projekte. Anschließend verantwortete er als erster Mitarbeiter eines schwedischen PV-Finanzierers den Aufbau des deutschen Marktes. Bei Sunpeak Capital kümmert er sich um die strategische Ausrichtung des Unternehmens, die Strukturierung neuer Investmentprodukte sowie die Begleitung von Investoren bei der Auflösung ihres IABs.



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